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Borstenwurmfalle Wurmjagd

 

Mein Aquarium sieht mittlerweile aus wie eine Schlangengrube. Nur statt Schlangen sind es riesige Borstenwürmer von ca. 10-15cm Länge die das Aquarium übernommen haben. So kann es nicht bleiben dachte ich und habe den Borstenwürmern den Kampf angesagt. Der erste Versuch wurde mit Hilfe der viel beschriebenen Plastikröhre in der man kleine Löcher bohrt durchgeführt. Die Falle war schnell fertig gestellt und im Becken platziert. Nach ca. 24h fand sich leider kein Wurm in der Falle. Bestückt war die Wurmfalle mit einer Futter tablette.Meine Beobachtungen ergaben das die Würmer extrem Misstrauisch werden wenn der Köder im Licht liegt. Den Weg bis zur Öffnung haben alle Würmer unglaublich schnell gefunden. Der weg durchs Licht widerstrebt den meisten jedoch. Da die Falle durchsichtig war trauten sich die Würmer nicht komplett aus ihrer Deckung. Einige steckten Ihren Kopf und ca. 1/3 ihres Körpers in die Röhre ohne dabei den Hauptteil Ihres Körpers von Stein oder Ihrer Höhle zu lösen. Als dann die Einsiedlerkrebse Wind von der Futterröhre bekommen haben und auf der suche nach der Futtertablette über die Würmer latschten und die Futterröhre in sämtliche Himmelsrichtungen verdrehten zogen sich alle Würmer ausnahmslos zurück. Außerdem haben sich einige sehr lange Exemplare satt gefressen ohne ihren geliebten Stein überhaupt los zulassen.

Erster Versuch: Mit einer durchsichtigen Kunstoffröhre und Steinfüllung. Hier sieht man den Wurm wie er im Stein verankert schon beim Köder ist. Er war auch der einzigste der sich getraut hat. Die anderen haben nur Ihren Kopf in Richtung Falle gestreckt.



Der zweite Versuch sollte deshalb unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse erfolgreicher Verlaufen. Also musste eine Falle her die auch längeren Exemplaren genug Platz bieten sollte den ganzen Körper in die Falle zu bekommen bevor der Wurm den Köder erreichen kann. Außerdem sollte die Köderkammer keinen Lichteinfall zulassen und einen möglicht geringen Abstand zwischen Wurmwohnung und Falleneingang haben.

Hier nun die Wurmfalle 2. Versuch: Sie besteht aus einem 90°Winkelrohr(grün) einem 45° Winkelrohr(grau) einem Rohrstück ca.15cm lang(weiß) Am hinterem Ende da wo die Futtertablette Platziert wird habe ich eine rote Gummikappe drüber gestülpt. Die Gummikappe hat am Ende ein kleines Loch. Natürlich kann man das auch anders lösen. Die Wurmfalle ist einfach nur ein Ergebnis zufällig zusammen passender Bauteile aus der Kramkiste. Die Winkel habe ich nur verbaut weil das Rohr(weiß) alleine zu kurz wäre. Das Loch am Ende der Röhre ist wichtig. Dadurch steht das Wasser in der Falle nicht und der Ködergeruch strömt an den Enden aus. Den Eingang habe ich mit einer alten Membran von einer Aquarium Luftpumpe abgedichtet. Die Membran hat in der Mitte ein Loch von ca. 1cm Durchmesser in dieses Loch habe ich ein Stück Aquariumrohr(grün)ca. 5-6cm lang gesteckt. Ebenfalls ca. 1cm Durchmesser. Das grüne Rohr am Eingang sollte den zukünftigen Insassen den Zugang so leicht und dunkel wie möglich machen. Gedacht war den Eingang wie eine Gangway ins Verderben direkt an den Ausgang der Wurmhöhle zu positionieren.

borstenwurmfalle

Genug zur Theorie jetzt wird das Ding das aussieht wie eine Lego Laserpistole erstmal versenkt. Nicht vergessen einen Köder und ein paar kleine Steine mit in die Falle zu legen. Da Borstenwürmer thigmotaktisch veranlagt sind. d.h. ähnlich wie z.B. Kakerlaken mögen sie keine offenen Flächen sie fühlen sich sicher wenn sie Kontakt zu Ihrer direkten Umgebung haben. Deshalb verkriechen sich Lebewesen mit thigmotaktischer Veranlagung gerne in enge Löcher oder Spalten. Die Steine dienen als nur dazu den Raum in der Falle so eng wie möglich zu machen. Leider habe ich kein Foto von der Falle in Aktion gemacht werde aber bei der nächsten Wurmjagd welche machen. Nach ca. 60 Sekunden kamen zwei der größeren Würmern aus Ihren Löchern. Als der erste Wurm fast komplett in der Falle war, traute sich auch der Zweite hinein. Als ich nach ca. 20 Minuten nochmal nachsah konnte man ein undifferenziertes Wurmbündel aus ca. 5 oder 6 Würmer sehen die sich gegenseitig im Eingang drängelten. Nach weiteren 10 Minuten waren fasst alle Würmer in der Falle oder es hing nur noch der Schwanz aus der Öffnung. Wenn der Wurm noch mit einem Teil seines Körpers im Stein festsitzt und man ihn dann versucht herauszuziehen, reißt er sich selbst in der Mitte durch. Das verbleibende Ende lebt dann im Aquarium weiter. Nachdem ich die Falle aus dem Becken genommen habe, kann sich die Ausbeute sehen lassen. In der Falle waren 4 große Würmer und 2 Mini Würmer. Einer der kleineren Würmer ist beim rausangeln der Falle an der Rückseite durch das kleine Loch fast entwicht.

ausbeute

Aber was macht man mit den gefangenen Würmern. Schließlich sind es ja auch Lebewesen und die sind ja nicht gekommen um mich zu ärgern. Einfach ins Klo spülen scheint mir keine angemessene Behandlung zu sein. Ich werde ich sie ins kleine Aquarium setzen. In dem habe ich die restlichen lebenden Steine gelegt weil sie nicht mehr ins Becken passten. Das Becken ist nur 30x20 cm groß und hat keinen Filter und auch kein Licht. Es steht am Fenster und außer kleine Steine, 368 Glasrosen und Caulerpa taxifolia ist nichts darin.

Heute der 2. Versuch die restlichen Würmer zu fangen. Auf dem Foto unten kann man gut sehen wie der Eingang der Falle ganz nahe an der Wurmhöle positioniert wurde. Ca. 30 Sekunden nachdem er die Falle vor dem Eingang lag, war der erste Wurm darin verschwunden. Nachdem der Wurm in der Falle war habe ich die Falle herausgenommen weil ich nicht sicher war ob er vielleicht wieder rauskommt wenn er Satt ist.


bostenwurmfalle

Das Fangergebniss also nur ein Wurm. Die ganze Fang-Aktion hat aber auch nur fünf Minuten gedauert. Der gefangene Wurm ist 12-15 cm lang und kommt erstmal zu den anderen Würmern ins Versuchsbecken. Leider habe ich noch noch mindestens zwei ähnlich große Exemplare entdeckt, sodass noch ein dritter Fangtag folgen wird.


Fangergebnis


Hier noch was interessantes über Borstenwürmer.
Den größten Zusammenhang zwischen Ernährung und Geschlecht gibt es bei den Borstenwürmern: Die kleinen Borstenwürmer sind erst einmal alle männlich. Bekommen sie ordentlich zu futtern, werden sie zu Weibchen aufgepäppelt. Leiden die Damen Hunger, werden sie wieder zu Männchen.Den größten Zusammenhang zwischen Gehirn und Geschlecht gibt es ebenfalls bei den Borstenwürmern: Entfernt man einem Borstenwurm-Weibchen das Hirn, wird es für immer zum Männchen.

Entnommen aus: Mario Ludwig, Harald Gebhardt: "Küsse, Kämpfe, Kapriolen. Sex im Tierreich", Verlag BLV

 

 
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